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Sport - Schweiz - Suisse
- Svizzera
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SPORT SCHWEIZ Jahrbuch 2010 320 Seiten, voll in Farbe viersprachig - deutsch, englisch, Grossformat - 23 x 30 cm |
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Schweizerisch Ehrenvoll verlieren – das war einmal
Die Fussball-WM in Südafrika und die Olympischen Winterspiele in Vancouver waren die herausragenden Ereignisse des Sportjahres 2010. In unserem Jahrbuch haben wir ihnen den gebührenden Platz eingeräumt.
Es gehört zu den Gesetzmässigkeiten des Sports, dass es in der Regel nur einen Sieger, aber zahlreiche Verlierer gibt. Der verdiente Sieger in Südafrika war Spanien, das erstmals überhaupt den höchsten Titel in der weltweit populärsten Sportart gewann. Daneben aber war die Zahl der Verlierer weit grösser, als zwingend hätten sein müssen: der Fussball in erster Linie. ln zu vielen Teams war die Angst vor dem Gegentor grösser als der Wille, den Erfolg mit offensivem Spiel zu erzwingen. Zu den Verlierern gehörten viele von Tradition und Erfolg her grosse Fussballnationen: Frankreich, Italien, England, Brasilien, Argentinien. Sie alle schieden vorzeitig aus. Und mit Ausnahme von Ghana vermochte kein afrikanisches Team den Heimvorteil zu nutzen.
Zu den Verlierern gehörte auch das Team von Ottmar Hitzfeld. Die Schweizer sorgten zwar zum Auftakt mit ihrem 1:0 gegen Spanien für eine Sensation. Die Türe stand damit weit offen zum Erreichen der Achtelfinals. Ein einziger Punkt aus den beiden Partien gegen Chile und Honduras hätte dafür gereicht. Doch als es um Sein oder Nichtsein ging, wurden die Limiten des Hitzfeld-Teams in kreativer Hinsicht schonungslos aufgedeckt. Die Euphorie verwandelte sich in bittere Enttäuschung.
lm Gegensatz zur Fussball-WM waren die Spiele von Vancouver ein Aufsteller. Die Sportnation Schweiz demonstrierte, dass sie in den Einzelsportarten über eine ganze Anzahl von Winnertypen auf höchster Wettkampfebene verfügt: Simon Ammann wurde wie acht Jahre zuvor zum Überflieger, Carlo Janka holte sich nach dem WM-Titel mit eisernen Nerven auch Olympia-Gold im Riesenslalom, Dario Cologna gewann als erster Schweizer überhaupt im Langlauf, Didier Défago triumphierte in der prestiqeträchtigsten Alpin-Disziplin, der Abfahrt, und Mike Schmid hüpfte verwegen zum Gold im erstmals ausgetragenen Skicross.
Schweizer Sportler, die sich extrem auf ein Ziel fokussieren und im entscheidenden Moment alle ihre athletischen, technischen und mentalen Qualitäten abrufen können, die gibt es auch in den Sommer- Sportarten. Fabian Cancellara zum Beispiel, der als erster Schweizer seit 87 Jahren die Flandern-Rundfahrt gewann und eine Woche später auch bei Paris-Roubaix die Konkurrenz buchstäblich stehen liess. Oder Viktor Röthlin. Nach zwei durch Thrombosen ausgelöste Lungenembolien kämpfte er im Frühjahr 2009 um sein Leben, im November stoppte ihn auf dem Weg zurück eine Fersenoperation. lm März konnte er endlich sein Comeback feiern, und vier Monate später lief er in Barcelona in einem minutiös vorbereiteten Rennen zum EM-Titel im Marathon.
Es ist noch nicht allzu lange her, da galt es als typisch schweizerisch, ehrenvoll zu verlieren. Die Schweiz verfüge über keine Winnertypen, wurde gejammert. Das hat sich geändert. Sportler und Sportlerinnen wie Ammann, Cancellara, Cologna, Federer, auch wenn er menschlicher oder schlagbarer geworden ist, Janka, Niggli, Röthlin und andere stehen dafür. Schweizerisch ehrenvoll verlieren - das war einmal.